Startseite
  Archiv
  Augenblicke
  Autoren stellen sich vor!
  Gästebuch
  Kontakt
 


Webnews



http://myblog.de/fortsetzung

Gratis bloggen bei
myblog.de





6

„Alex? Alex, wo bist du?“
Der Rauch brannte in ihren Augen, sie konnte überhaupt gar nichts sehen, das einzige, das sie wahrnahm, war der Schmerz und der Gestank.
Hustend und taumelnd schwankte sie durch den Raum. Sie hörte Menschen rufen, Menschen sterben. Es war wie…
~~~
Eben gerade noch hatte Alexandra ihnen zwei Tequila bestellt.
„Nun, was denkst du?“
Lena hatte nur gedankenverloren auf ihr Glas gestarrt.  „Habe ich dir doch schon gesagt. Ich kann ihn nicht wiedersehen, so sehr er mich braucht. Ich wünschte… ich könnte weg von hier. Neu anfangen und…“
„Sei nicht so dumm!“, zischte Alexandra. „So einen wertlosen Schund aus deinem Mund zu hören…“
Lena biss sich auf die Lippe. Zitternd krallte sie sich an der Kante ihres Sitzplatzes fest.
„…ist typisch.“, stellte Alexandra schließlich resignierend fest. „Du weißt, dass du nicht einfach gehen kannst. Das kann niemand, egal wer. Aber du kannst für dein Glück kämpfen, Lena. Du…“, sie nahm Lenas Arm und strich sanft über die frischen Narben, „solltest so leben, dass du dir keine Vorwürfe machen musst. Ich weiß, dass du das schaffen kannst.“
„Optimistin…“, sagte Lena abfällig. Mehr nicht, denn irgendwie… hatte Alex sicher Recht, es hatte jetzt keinen Sinn die alten, ausgemergelten Gegenargumente wieder hervorzukramen. Aber sie hatte dennoch Angst. Vor dem Tod. Doch wollte sie so weitermachen wie bisher? War sie jemand anders geworden, seit jenem Tag?
~~~
An dem Tag vor drei Jahren.
Beißender Rauch, Schmerzenschreie, ja- sie erinnerte sich das erste Mal wieder mit vollem Bewusstsein an diesen Tag. Sie hatte seinen Namen gerufen, es blieb still. Später hatte sie mit bloßen Händen die Trümmern umgegraben, und nur Dreck und Schmutz gefunden. Und immer wieder nach ihm gerufen und…
„Ale…“, ihr Rufen blieb ihr in der Kehle stecken.
Plötzlich spürte sie einen festen Griff an ihrem Handgelenk. „Ich bin hier“, sagte Alexandra. „Komm mit, schnell.“
---
Lena hatte sich übergeben wollen, aber sie hatte keine Zeit dazu gehabt. Blut und Dreck, Krach und… Leere. Sie wollte sich nicht erinnern, sie wollte vergessen, vergessen, vergessen.
Lena schlug ihre trägen Augenlider auf und fühlte einen kalten Steinboden unter ihren Handflächen. Ihre Augen schmerzten noch immer und sie sah nur schemenhafte Gestalten, die an der anderen Ecke des Raums standen und sich berieten.
Hier gab es keinen Rauchgestank, es  roch überhaupt nach gar nichts. Der Raum war spärlich eingerichtet, ein kleiner Schrank, ein Holztisch; sonst nur Gerümpel.
„Was machen wir mit ihr?“, hörte sie eine raue Stimme fragen.
„Lasst das meine Sorge sein…“ Das war Alexandras Stimme.
Eine der Personen schlug mit der Faust auf den Tisch. „So können wir nicht weitermachen! Verdammt, sie haben DICH gesucht, Alex, du hast gesagt, du würdest aufpassen, du hast es nicht getan, du hast uns alle“
„Beruhig dich. Wir sind jetzt in Sicherheit, nicht? Und ich bin mir sicher, dass ich aufgepasst habe… Nur… wir haben einen dummen Fehler begangen, einen einzigen.“
Kurze Zeit war es still. Lena fröstelte es, sie hatte Angst. Ging es etwas um sie? Nein, das konnte nicht sein… Sie wollte sich anders hinsetzen, der harte Boden tat ihr weh, aber in dieser Stille hörte sich selbst ihr Atmen unendlich laut an.
„Erschießt ihn.“
„Was? Aber…“ – mit geweiteten Augen starrte der Mann mit der rauen Stimme Alexandra an. Lena konnte mittlerweile viel klarer sehen, auch wenn sie bezweifelte, dass sie dies überhaupt wollte.
Zwei bullige Kerle rissen ihn an seinen Armen aus dem Raum. Alexandra schaute ihnen kurz hinterher, schien beim Geräusch des Schusses zu lächeln und stellte schließlich fest, dass Lena erwacht war.
Sie ging zu ihr und hielt ihr die Hand hin. „Geht’s dir wieder besser? Kannst du aufstehen?“
„Warum…“, Lena quetschte ihren Körper gegen die eiskalte Wand hinter ihr, „Du hast mir immer gesagt, wenn ich Kritik hätte, dann könnte ich es sagen, du hast gesagt, es wäre…“
Alex kniete sich zu ihr hinunter. „Es ist okay, Lena. Es ging nicht darum, dass er unsere Vorgehensweise oder meine Unaufmerksamkeit kritisiert hat. Nun sei nicht so naiv, das Dreckstück hat uns verraten.“
Lena hob ihren Kopf und nahm Alex’ Hand, rappelte sich wieder auf. Verdammt, wo war sie nur hineingeraten? …Wo?
„Du gehörst jetzt wirklich zu uns. Glaub mir, du bist wertvoll.“ Alex lächelte. Lena lehnte ihren Kopf gegen ihre Schulter und schloss ihre Augen. Gut, dann würde sie hierher gehören.
„Alex… dein Arm.“

+++
Man hatte sie angeschossen. Und sie gesehen, mit Lena zusammen. Wenn auch nur einer von diesen Dreckskerlen überlebt hatte, und das war ganz sicher der Fall, dann konnte sie Lena ohnehin nicht mehr gehen lassen. Aber das sollte kein Problem sein. Lena war schließlich nichts weiter als ein seelenloses Stück Dreck geworden. Dem sie nur noch ihre Seele einflößen brauchte.

12.6.07 03:57
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung