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4.

 

Für gewöhnlich, trat nach dem Aufprall des Körpers auf dem Boden, eine friedliche, im bittersüßen Nachgeschmack des Verbrannten ruhende, Stille ein.

Schnell wendete Janson seinen Kopf nach rechts. Gelächter war aus dem Gang zu hören, was bedeutete, dass er nicht mehr allein war. War er überhaupt alleine gewesen? Hatte nicht Alex gesagt, er wäre ungestört - egal, wie als wolle er den Gedanken aus seinem Kopf schütteln, zuckte er zusammen, kniff die Augen zu und rannte nach oben.

Sein Koffer lag noch auf dem Bett, er warf die Waffe achtlos rein, schlug den Deckel zu. Ein letzter Blick - hatte er etwas vergessen? Das Fenster im Zimmer stand noch weit offen, zum Schließen hatte er keine Zeit, er durfte nicht erwischt werden, nicht jetzt - nicht heute.

Trotzdem - mit der Hastigkeit eines Zuspätgekommenen zog er die Flügel des eleganten Jugendstilfensters zu und schlug den Vorhang drüber. Keine Zeit um nach liegengebliebenen Indizien zu suchen, keine Zeit um darüber nach zu denken, ob er nicht doch - nein. Er hatte den Auftrag, wie geplant erledigt.

Er hatte sie angerufen, anonym. Wie aus billigen Krimiserien hatte er die klischeehafte Zuflucht einer Telefonzelle gesucht, hatte mit zittrigen Fingern die Nummer getippt und wie ein kleiner Junge, hatte er um eine Audienz gebeten, nach Vorwänden und Ausreden gesucht, gestottert und gebettelt, in Gedanken ihre Kehle befühlt, zugedrückt, um in dem selben Augenblick sein süßestes " Bis bald, mein Engel." zum Besten geben.

Drei Tage davor hatte er sie beobachtet, wie sie vom Alkohol besäuselt durch die Zimmer gewankt war, wie sie im Garten die Jugend der Wildrosen zum Schein ihrer Ästhetik geopfert hatte, wie sie zeitlos und seelenlos die Nächte in ihrem Schlafzimmer wachgeblieben war,

um heute, seinen Job, richtig und schnell ausführen zu können.

Er war früh aufgestanden. Es war nicht einmal sieben, da hatte er schon mit der Präzision die ihm eingetrichtet worden war, seinen Koffer gepackt, seine Krawatte gebunden und die letzte saubere Kaffeetasse im Haus gesucht. Er hatte es gehasst, den letzten kalten Schluck Kaffee. Er hatte es trotzdem zu Ende getrunken.

Auf der Fahrt zu ihrem Haus, lief im Radio ein altbekanntes Lied, aus besseren Zeiten. Er hatte mit gesungen, er hatte sich gut gefühlt. Sogar dann, als sie in mit den schreckengeweiteten Augen eines vom Aufprall eines Autos überraschten Rehs angesehen hatte, als er abdrückte, hatte er sich gut gefühlt.

Nun bahnten sich die wirren Stimmen aus dem Gang in kleinen Adrenalinstößen durch sein Blut. Sein Herz raste - er musste raus hier. Er durfte nicht entdeckt werden.

Die Stimmen kamen von rechts, er wagte einen Blick raus. Der Gang vor ihm schien leer zu sein. Langsam tastete er sich Richtung Treppe. Ihre Leiche lang immernoch jämmerlich zusammengekrümmt am Absatz, übertünchte den reichen grünen Teppich über den Marmorstufen mit dem satten, hellroten Blut ihrer minderwertigen Arterien. In den meisten Fällen reichte der eine Schuss aus, um sie zu töten.

Es war immer nur dieser eine Schuss, der sie tötete. Dieser eine Schuss, der ihn dazu zwang, sie zu töten.

Unten angelangt, genügte ein Blick um zu wissen, woher die Stimmen kamen. Ein Fernsehbildschirm aus dem großen weißen Wohnraum rechts im Erdgeschoß flackerte mit den Kerzen um die Wette, große Figuren verliefen sich auf Wänden. Er ging zum Gerät, und schaltete es ab und eine plötzliche eintretende Ruhe, erschien Janson für eine Sekunde verdächtig, dann trat die gewohnte Stille ein. Janson ließ sich auf den einladenden Sessel vor dem Bildschirm nieder, er wusste, er sollte jetzt gehen. Dieses Haus verlassen, keine weiteren Zufällen die Gelegenheit überlassen, ihn mit weiteren eiskalten Schlägen in seiner Brust zu überraschen. Aber er musste wieder zu Verstand kommen - kein leichtes Unterfangen, wenn man knapp 21 Jahre alt ist, wenn man weiß, wie man Menschen tötet, wenn man weiß, die Leichtigkeit des Todes könnte eines Tages auch ihn einholen.

Er rief Alex an, schließlich musste sie darüber informiert werden, dass er seinen Auftrag erledigt hatte.

 

****

" Ein Fernseher. "

" Ja, es lief ein Film über eine .. "

" Jans, es spielt keine Rolle, was für ein Film auf dem verdammten Kasten lief - war dieser besagte Fernseher schon eingeschlaten, als du gekommen bist ?"

" Ich weiß es nicht. Sie hat mich gleich nach oben geführt, ich wollte nicht warten."

" Das weiß ich, du kannst niemals warten .. "

" Ja."

" Hat sie mit dir gesprochen ? "

" Nein, nur das Übliche - Wetter, Alkohol, diverse Neurosen. Es ging schnell, Alex. Ich habe ihr nicht viel Zeit gelassen.

" Gut. Sehr gut. Kann ich morgen mit dir rechnen ?"

" Ja. Ich bin um spätestens 16.30 am Bahnhof. Ich habe schon reserviert."

" Hin und retour ?"

" Hin und retour, ich habe nicht vor, erwischt zu werden, wenn du das wissen möchtest."

" Nein. Ich weiß."

" Ich melde mich, wenn ich angekommen bin. "

" Das hoffe ich. Jans, ich zähle auf dich. Vermassle es nicht. Wir brauchen diesen einen Auftrag."

" Ich brauche diesen einen Auftrag. Grüß sie von mir Alex, auch wenn ... "

" Gute Nacht, Jans."

Klick.

Kaum hatte sie ihr Telefon zugeklappt, bohrten sich Lenas Blicke durch ihre Haut. Die Telefongespräche mit Janson waren notwendig, um ihn bei Laune zu halten. Es war heutzutage nicht mehr einfach, junge engagierte Mitglieder zu finden, und in Janson, war sich Alexandra sicher, hatte sie einen verlässlichen und zugleich ungeschliffenen Diamanten gefunden, den sie ungerne verlieren wollte.

" Alex, wir haben nur noch eine dreiviertel Stunde - was wolltest du mir besprechen ? " Lena ließ nervös das kleine Gläschen in ihrer Hand auf die Theke klirren. Sie hätte wissen müssen, das Lena unnötige Fragen stellen würde, aber nun gut - diese Chance ließ sich Alex nicht entgehen. Zumal Lenas Nerven angespannt waren - nicht zuletzt wegen ihrem auffälligen lächerlichen Outfit, ihren prall geschminkten Lippen, ihren dick mit schwarzer Farbe getuschten Wimpern. Zwischen der Club-Gesellschaft, einen Underground Vereinigung der Rebellen, wirkte Lena wie eine Discokugel. Alle Augen im Raum waren auf sie gerichtet, schlichen aus den Augenwinkeln mit gierigen Blicken über Lenas Dekoltee.

Alex ergriff die Gelegenheit im Mittelpunkt zu stehen - so konnte Lena ihr nicht entkommen.

" Es geht um Janson, er braucht dich. Ich brauche dich. Du weißt", Alex schluckte, die Worte hatte sie vor Tagen in Gedanken zurecht gelegt, hatte sie abgewogen und gereiht, nun schienen sie wirr und unrealistisch, und sie wusste nicht, ob sie es aussprechen durfte " du weißt, er hat es nicht so gemeint. Es ist nur - Lena, er hat viel um die Ohren. Er mag dich, er mag dich sehr - und er möchte nicht, dass seine Arbeit zwischen euch steht." Lena wischte sich langsam einen Tropfen von der Lippe. Sie lächelte. " Ich weiß, dass er mich braucht, aber du weißt, was ich darüber denke, Alex. Die Zeiten haben sich geändert - ich habe Angst. Ich habe Angst um ihn, ich habe Angst um mich. Ich kann nicht mehr mit ihm zusammen sein. Es wird uns verraten, und - vielleicht werden wir daran zu Grunde gehen."

Ihre traurigen Augen verrieten für eine Sekunde die Verzweiflung die in dieser hübschen kleinen Person steckte. Eine Verzweiflung, eine tief verwurzelte Angst vor dem Tod, vor dem nochmaligen Verlust eines Menschen, der einen Liebe in ihrem Leben, führten Lena dazu, Janson aus ihrem Herzen zu verbannen. Auch wenn der Preis zu hoch war , die Schmerzen zu unerträglich waren, so dass sie sich tagtäglich selber mit rostigen alten Messern und unschuldig glitzernden Glaskanten ihre Umrisse in die rosige Haut ritzte.

Sie erstickte die Liebe in ihrem eigenen höchstpersönlichen Leid, anstatt sie eines Tages in unzähligen Paranoia und verklebtem Blut ertränkt, wieder zu finden.

Alexandra wusste, worin sie sich wieder gefunden hatte - es war das gleiche Bild, dass sich in Lenas Augen spiegelte, als ihr der nächtes Shot die heiße Kehle runterbrannte.

Im satten Dunkelrot getränkt .. damit hatte alles angefangen. Mit Blut - der einzigen, unendlichen Liebe ihres Lebens.

 

30.5.07 02:10
 


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