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7.

 

Chris konnte es nicht fassen. Und auch die Ärzte hielten es für einen makaberen Scherz. Innerhalb von 14 Tagen, war er nun bereits zweimal durch die Hölle gegangen und hatte beide Male dem Tod die kalte Schulter gezeigt. Er war ein Glückspilz, auch wenn sich das Erwachen und die damit verbundenen Schmerzen alles andere als glücklich anfühlten, wie Chris beim Öffnen der Augen wehleidig feststellen musste.

Die Mission war alles andere als geplant verlaufen.
Einfach rein und wieder raus. Wie in unseren Übungen, waren die Worte des Commanders über Funk in die Headsets, die jeder von ihnen während eines Einsatzes trug gedrungen. Doch dass es sich bei dem Einsatz um die Liquidierung zwei der namenhaftesten Rebellenanführer handelte schien absolut keiner seiner Kollegen so richtig bemerkt zu haben. Es war naiv zu glauben, in den Club reinmarschieren zu können, zwei gezielte Schüsse zu setzen und wieder draussen zu sein, bevor die Rebellen zu ihren Waffen griffen. Chris wusste das. Und das war nur einer der Gründe warum er, noch am Leben war.

*******

"Oh mein Gott, Alex du wurdest angeschossen," stieß es Lena mit zittriger Stimme heraus. In den letzten Sekunden hatten sich die Ereignisse in Lenas Kopf nur so überschlagen und ihr Gehirn hatte alle Mühe damit gehabt die Bilder sorgfältig zu verarbeiten und ihnen einen Sinn einzuflößen.

"Es ist nur ein Streifschuss. Mach dir mal um mich keine Sorgen Süße." Wir haben zur Zeit ganz andere Probleme ging es Alex durch den Kopf. Denn wenn es einer dieser Bastarde bis zum Stützpunkt schaffen sollte, stünden sie vor einem Rätsel, das nicht einmal Janson in der Lage wäre zu lösen. Langsam aber schier unaufhaltsam schien alles aus dem Ruder zu laufen.
Phase 2 musste umgehend eingeleitet werden.

*******

Sie hatte schon seit Stunden einfach nur da gesessen und ihn beobachtet. Sein weiches rundes Gesicht mit den schmalen Lippen und dem flachen Kinn verliehen ihm die Bubenhaftigkeit, die sie so sehr an ihm liebte. Zwei frische Narben auf seinem Oberkörper präsentierten die Strapazen der letzten Tage. Er musste endlich in seinem Beruf kürzer treten, wenn er von seinen beiden Töchtern noch was haben wollte, dachte Anna.
Obwohl sie mit 2 und 3 Jahren noch relativ jung waren, besaßen sie bereits jetzt schon eine so feste und innige Beziehung zu ihrem Vater, das es für Ausstehende gar grotesk wirken musste. Woher diese Zuneigung und Sehnsucht zu ihrem Vater ragte wussten beide nicht. Es gab Tage und Nächte in denen die beiden nicht einschlafen konnten ohne das Gesicht von Chris zu sehen. Aus diesem Grund waren lange Einsätze für Anna umso härter. Nicht nur das sie um ihren Liebsten bangte, nein, sie hatte auch zu Hause ihr ganz eigenes Vietnam auszufechten.

*******

"Was. Du willst Phase 2 jetzt schon einleiten. Bist du dir da auch ganz sicher. Ist sie denn überhaupt schon auf ihre Mission vorbereitet. Mit allen Fakten vertraut..."

"Vertrau mir James. Sie wird machen was ich ihr sage. Nicht umsonst haben wir sie damals mit Janson zusammengebracht. Er hat ihr über die Jahre hinweg alles beigebracht was man wissen muss. Sie ist die perfekte Tötungsmaschine, leise und effektiv, auch wenn sie es selbst nicht weiß. Sie wird uns nicht enttäuschen."

"Ich hoffe du weißt was du tust, Alex. Die Mission ist zu wichtig, dass sie auch nur im Ansatz scheitern darf. Sie wird unser Präventivschlag sein. Und er muss eine Wunde in die Reihen der Föderation reißen, so groß wie ein Loch das die ganze Welt verschlucken könnte."

"Und das wird Sie. Daran hege ich keinen Zweifel"

"Ok, Alex. Leite Phase 2 ein"

*******

General Okarzuri war einer der wenigen Förderalisten, der seine Position nicht dazu ausnutze den ganzen Tag am Schreibtisch zu hocken, Akten zu wälzen, Kaffee zu trinken und von Tag zu Tag immer dicker und unbeweglicher zu werden. Bei jeder Möglichkeit die sich ihm ergab sein Blut wieder in Wallung zu bringen war er mit von der Partie und wetzte über die Truppenübungsplätze. Jeder kannte und vor allen Dingen Jeder mochte General Okarzuri.
Einer der Gründe warum er nach bereits 10 Jahren Laufbahn bei der Förderation in einer der leitenden Positionen saß.
Und auch er hatte bereits vom Misserfolg der Mission letzter Nacht gehört. Wahrscheinlich war er sogar einer der Ersten der unterrichtet wurde. Nur ein Überlebender hatte es aus dem Schlamassel im Club geschafft. Ein gewisser Chris Türk, der nach 4 Stunden Op endlich auf der Wachstation des Krankenhauses lag. Laut seinen wagen Angaben konnte keine der beiden Zielpersonen elimiert werden und auch sonst könne er sich an rein garnichts mehr errinern. Trotz dieser schlechten Nachrichten blieb General Okarzuri ganz ruhig und gelassen, denn die Rebellen wussten nun endlich, dass sie ihnen auf die Schliche gekommen waren. Es würde nicht mehr lange dauern und dieser Zustand des Terrors und Widerstands würde endlich beendet sein.
Und auch die Trennung seiner Frau und die Berichte des Geheimdienstes über einen angeblichen Anschlags seitens der Rebellen auf sein Leben würden ihn nicht von seinem Ziel abhalten.

*******
Lena öffnete vorsichtig, in der Hoffnung alles sei nur ein böser Traum gewesen, langsam ihre Augen. Doch alles was sie sah, war Alex, die mit schnellen Schritten und dem Anflug eines Lächelns auf den Lippen auf sie zukam.

"Hallo Süße. Wir müssen reden".


17.6.07 14:43


6

„Alex? Alex, wo bist du?“
Der Rauch brannte in ihren Augen, sie konnte überhaupt gar nichts sehen, das einzige, das sie wahrnahm, war der Schmerz und der Gestank.
Hustend und taumelnd schwankte sie durch den Raum. Sie hörte Menschen rufen, Menschen sterben. Es war wie…
~~~
Eben gerade noch hatte Alexandra ihnen zwei Tequila bestellt.
„Nun, was denkst du?“
Lena hatte nur gedankenverloren auf ihr Glas gestarrt.  „Habe ich dir doch schon gesagt. Ich kann ihn nicht wiedersehen, so sehr er mich braucht. Ich wünschte… ich könnte weg von hier. Neu anfangen und…“
„Sei nicht so dumm!“, zischte Alexandra. „So einen wertlosen Schund aus deinem Mund zu hören…“
Lena biss sich auf die Lippe. Zitternd krallte sie sich an der Kante ihres Sitzplatzes fest.
„…ist typisch.“, stellte Alexandra schließlich resignierend fest. „Du weißt, dass du nicht einfach gehen kannst. Das kann niemand, egal wer. Aber du kannst für dein Glück kämpfen, Lena. Du…“, sie nahm Lenas Arm und strich sanft über die frischen Narben, „solltest so leben, dass du dir keine Vorwürfe machen musst. Ich weiß, dass du das schaffen kannst.“
„Optimistin…“, sagte Lena abfällig. Mehr nicht, denn irgendwie… hatte Alex sicher Recht, es hatte jetzt keinen Sinn die alten, ausgemergelten Gegenargumente wieder hervorzukramen. Aber sie hatte dennoch Angst. Vor dem Tod. Doch wollte sie so weitermachen wie bisher? War sie jemand anders geworden, seit jenem Tag?
~~~
An dem Tag vor drei Jahren.
Beißender Rauch, Schmerzenschreie, ja- sie erinnerte sich das erste Mal wieder mit vollem Bewusstsein an diesen Tag. Sie hatte seinen Namen gerufen, es blieb still. Später hatte sie mit bloßen Händen die Trümmern umgegraben, und nur Dreck und Schmutz gefunden. Und immer wieder nach ihm gerufen und…
„Ale…“, ihr Rufen blieb ihr in der Kehle stecken.
Plötzlich spürte sie einen festen Griff an ihrem Handgelenk. „Ich bin hier“, sagte Alexandra. „Komm mit, schnell.“
---
Lena hatte sich übergeben wollen, aber sie hatte keine Zeit dazu gehabt. Blut und Dreck, Krach und… Leere. Sie wollte sich nicht erinnern, sie wollte vergessen, vergessen, vergessen.
Lena schlug ihre trägen Augenlider auf und fühlte einen kalten Steinboden unter ihren Handflächen. Ihre Augen schmerzten noch immer und sie sah nur schemenhafte Gestalten, die an der anderen Ecke des Raums standen und sich berieten.
Hier gab es keinen Rauchgestank, es  roch überhaupt nach gar nichts. Der Raum war spärlich eingerichtet, ein kleiner Schrank, ein Holztisch; sonst nur Gerümpel.
„Was machen wir mit ihr?“, hörte sie eine raue Stimme fragen.
„Lasst das meine Sorge sein…“ Das war Alexandras Stimme.
Eine der Personen schlug mit der Faust auf den Tisch. „So können wir nicht weitermachen! Verdammt, sie haben DICH gesucht, Alex, du hast gesagt, du würdest aufpassen, du hast es nicht getan, du hast uns alle“
„Beruhig dich. Wir sind jetzt in Sicherheit, nicht? Und ich bin mir sicher, dass ich aufgepasst habe… Nur… wir haben einen dummen Fehler begangen, einen einzigen.“
Kurze Zeit war es still. Lena fröstelte es, sie hatte Angst. Ging es etwas um sie? Nein, das konnte nicht sein… Sie wollte sich anders hinsetzen, der harte Boden tat ihr weh, aber in dieser Stille hörte sich selbst ihr Atmen unendlich laut an.
„Erschießt ihn.“
„Was? Aber…“ – mit geweiteten Augen starrte der Mann mit der rauen Stimme Alexandra an. Lena konnte mittlerweile viel klarer sehen, auch wenn sie bezweifelte, dass sie dies überhaupt wollte.
Zwei bullige Kerle rissen ihn an seinen Armen aus dem Raum. Alexandra schaute ihnen kurz hinterher, schien beim Geräusch des Schusses zu lächeln und stellte schließlich fest, dass Lena erwacht war.
Sie ging zu ihr und hielt ihr die Hand hin. „Geht’s dir wieder besser? Kannst du aufstehen?“
„Warum…“, Lena quetschte ihren Körper gegen die eiskalte Wand hinter ihr, „Du hast mir immer gesagt, wenn ich Kritik hätte, dann könnte ich es sagen, du hast gesagt, es wäre…“
Alex kniete sich zu ihr hinunter. „Es ist okay, Lena. Es ging nicht darum, dass er unsere Vorgehensweise oder meine Unaufmerksamkeit kritisiert hat. Nun sei nicht so naiv, das Dreckstück hat uns verraten.“
Lena hob ihren Kopf und nahm Alex’ Hand, rappelte sich wieder auf. Verdammt, wo war sie nur hineingeraten? …Wo?
„Du gehörst jetzt wirklich zu uns. Glaub mir, du bist wertvoll.“ Alex lächelte. Lena lehnte ihren Kopf gegen ihre Schulter und schloss ihre Augen. Gut, dann würde sie hierher gehören.
„Alex… dein Arm.“

+++
Man hatte sie angeschossen. Und sie gesehen, mit Lena zusammen. Wenn auch nur einer von diesen Dreckskerlen überlebt hatte, und das war ganz sicher der Fall, dann konnte sie Lena ohnehin nicht mehr gehen lassen. Aber das sollte kein Problem sein. Lena war schließlich nichts weiter als ein seelenloses Stück Dreck geworden. Dem sie nur noch ihre Seele einflößen brauchte.

12.6.07 03:57


5.


Zischend flog ihm eine weitere Kugel knapp am Helm vorbei. So das sie krachend in der Wand stecken blieb.
Nach Deckung suchend das Gewehr nah an den Körper gedrückt, im Anschlag haltend schleicht er in fast gebückter Haltung entlang der halb zerschossenen Mauer. Betonstaub rieselt von der Decke, das Glas zerborstener Scheiben knirscht unter seinen schwarzen Armeestiefeln. In der Ferne ist weiteres schweres Gewehrfeuer zu vernehmen. Er zuckt kurz. Feine Schweißtropfen suchen sich ihren Weg über sein mit Staub verdrecktes Gesicht. Der Schweiß brennt in den Augen und nimmt ihm merklich die Sicht. Mit sicherem Abstand zur mit Einschusslöchern übersäten Wand, lehnt er sich an eine tragende Betonsäule. Nur schwer lassen sich die verschwitzen Hände aus den Handschuhen ziehen. Das schwere Maschinengewehr an die Wand gelehnt, wischt er sich erst die Hände an der braun grau gefleckten Tarnhose ab, um sich dann zumindest ein wenig des Schweißes mit der nun trockenen Hand aus dem Gesicht zu wischen.
Donnernd schlägt eine Granate nur wenige Meter von ihm entfernt in die Wand ein. Das Gebäude bebt. Splitter, Steine, Staub fliegen wild umher. Mit voller Wucht wird er von der Druckwelle getroffen, zu Boden gedrückt. Weiteres Adrenalien schiesst durch seinen Körper. Staubwolken ziehen durch den Raum, die Siloutte eines Sodaten der sich auf der anderen Seite durch den Raum kämpft ist kurz zu sehen. Kurze Zeit später schlägt eine weitere Granate direkt in den Raum ein. Etwas trifft in hart im Gesicht, deutlich hört er wie seine Nase bricht. Für einen Moment hält er die Luft an, der Schmerz strahlt durch den ganzen Körper.
Er weiß es ist nicht bloß die Nase, auch sein Rücken fühlt sich seltsam an. Vom Lärm der einschlagenden Geschosse schon längst Taub, vom Schmerz überwältigt, bleibt er vor Schock liegen. In seinem von Staub verschwommenen Blick, glaubt er die Zeit stehen bleibein zu sehen. Die sich verbreiternden Wolken aus Staub, die kleinen von der Wand absplitternden Steine scheinen nur noch in Zeitlupe durch den Raum zu fliegen.
Unbewusst schaut er an sich herab, Blut tropft ihm das Gesicht herunter und vermischt sich mit dem Dreck auf dem Boden. Er keucht, hustet Blut steigt ihm durch den Hals in den Mund . Ein unsäglicher Schmerz macht sich im ganzen Körper breit. Erschöpft bricht er zusammen.
Es fröstelt ihn. Ein ihm unheimliche Kälte erfasst seine Gliedmaßen. Zu schwach um sich zu bewegen, bleibt er einfach liegen.

*****************

“Chris, Chris....oh.. mein Gott.”


“Gehen sie weg da Soldat..., sichern sie uns lieber ab”

“Verdammt er ist fast tot, extrem schwacher Puls, ich kann ihn nicht retten! Die Infusion wird nichts bringen. Schauen sie sich bloß dieses riesen... Loch an, Sir”

“Nichts da, tun sie alles was möglich ist um ihm in wieder zurück zu holen, wenden sie das neue System an. Wir sichern ihnen den Rücken, Sani.”

“...Ja, Sir... Dann bringen sie ihn hier schnellstens raus. Ich muss ihn in der Basis behandeln.”

“Dann los, Soldat. Abmarsch!”

****************************

Vor weniger als einer Stunde hatten sie sich noch innig geliebt. Sie hatte seine Stärke, seine Kraft aber auch seine Sinnlichkeit gespürt. Mit den Fingern, sanft die Konturen seines Körpers umfahrend. Hier und dort kurz verharrend um entlang der vielen Narben die seinen Oberkörper zeichnen, ihn einfach nur zu berühren. In einem helleren Ton zum Rest seiner Sonnen gebräunten Haut, setzt sich eine riesige Narbe über seinen flachen Bauch fort bis kurz unterhalb der ersten Rippe.
Er sprach nicht darüber, woher sie stammte. Doch als sie sie sanft berührte schrak er kurz zurück, nur um sie dann doch gewähren zu lassen. Ein Lächeln huscht über ihre Lippen, als sie über das vergangene nachdachte. Mehr noch ein warmer Schwal purer Wärme durchflutete kurz ihren Körper. Sie hatte sich sein weißes Hemd angezogen, das nun an ihrer noch nassen Haut kleben blieb. Durch den weißen Stoff zeichnen sich ihre großen Brüste ab, so das wenn man genauer hinschauen würde, ihre Brustwarzen nicht bloß erahnen müsste. Deutlich zeichnet sich an den Hüften ihr kleiner “Babyspeck” ab.
Wäre nicht der Anruf gekommen würde Chris sie gleich wieder lieben. Oder einfach nur ihre warme Haut an der seinen spüren, sie umarmen ihren rasenden Puls fühlen wenn er sie Liebkost.
Doch statt dessen machte sich jetzt wieder die Kälte in seinem Körper breit. Ein Einsatz stand wieder bevor, dabei war er doch tot. Zumindest für mehr als 24 Stunden bevor sie ihn wieder zurück geholt hatten. Noch heute spürte Chris die eisige Flüssigkeit die sie im durch sein gesamtes Blutsystem gespült hatten, um seinen toten Körper wieder zusammen zu flicken.
Seine Seele nach Stunden wieder in den Körper zurück zu holen. Den Soldat Chris Van Haan wieder in die elitären Reihen der Armee zurück zu holen. Drei Jahre war das nun her, drei Jahre in denen er schon lange tot war.

Bis er endlich durch Anna wieder einen kleinen Funken Wärme in seinem Leben gefunden hatte. Anna blickt mit einem verwirrten fast traurigen Blick zu ihm herüber. Das Hemd steht ihr wirklich gut, dachte Chris. Ein kurzer inniger Kuss, mit den Händen sie noch einmal zu sich ziehend, verabschiedet er sich an der Haustür von Anna.

“Wilkommen an Bord, Sir” begrüsst ihn der Ladeschütze der Hubschrauberbesatzung und zieht ihn mit der Hand in das Innere. Die auf Schienen befestigte Tür schnellt in das Schloss, so das Chris nur noch durch ein kleines Seitenfenster beobachten kann, wie Annas Haus unter dem immer höher steigenden Flug des Hubschraubers kleiner wurde. Die anderen des Teams, alle fünf, saßen auch schon im halbdunkel des Hubschraubers, der durch die tiefe Nacht raste.
Alle in ihren dunkel grauen Exoanzügen. Wie Ritter aus einer vergangenen Zeit der Körper volkommen geschützt durch einen dem Körper perfekt angepasste Rüstung.
Der Vorteil gegenüber dem Mittelalter war einzig der ,dass die Rüstung, um einiges leichter, flexibeller und von den Außentemperaturen unabhängig war.
Chris kannte alle aus dem Team, jeder von innen diente genauso lange in der Armee wie er. Alle waren schon einmal auf dem Schlachfeld gestorben. Einzig mit einem Kopfnicken begrüssten ihn die anderen, den die Gesichter waren unter der Panzerung des Exoanzuges nicht zu erkennen. Nur das gelegentlich leise Klicken, der hellblau leuchtenden Okulare die am Helm angebracht waren, deutete darauf hin das die Soldaten in anblickten.
Die Okulare stellten sich automatisch jedesmal scharf, wenn der Soldat im Anzug seine Iris bewegte. Was futuristisch anmutet war für diese Soldaten Alltag.

Niemand hatte bis jetzt über diese neuen Anzüge berichtet, weil niemand ein Zusammentreffen mit dieser Einheit überlebt hatte. Selbständig zog auch Chris sich den Anzug über, der vor mehr als einem Jahr auch an seinen Körper angepasst wurde. Der Helm kam zuletzt und hüllte vortan seine Sicht in ein helles blau, das die dunkle Nacht volkommen hell, klar erscheinen lässt. So neu und toll die Anzüge auch waren die Waffen waren die selben geblieben.
Der Fortschritt im Militär war endlich einmal den Soldaten zu gute gekommen.

“Einheit 27-583 hören sich mich?” Die raue Stimme des Kommanders klang erschreckend nah.


“Ja, Sir wir hören sie klar und deutlich,” sprach Chris kurz in sein Helmmikro.

“Wie ich höre sind sie also vollzählig. Folgendes ihre Ziele für diese Nacht sind das ausschalten zweier Rebelenführer, so wie deren Helfer. Das Zielgebäude ist ein Zivilgebäude, ein Club namens “ “, in der Stadt Angelic. Sie werden auf dem Dach abgesetzt und arbeiten sich dann die drei Etagen hinab durch.
Auf Zivilisten ist diesmal keine Rücksicht zu nehmen. Ihr Einsatz ist wie immer vom Premier der EU abgezeichnet worden. Sie sind niemanden Rechenschaft schuldig!
Die Bilder der Rebelenführer sind ihnen allen bekannt. Es handelt sich um Alexandra Rewa und James Connor. Beide verwickelt in mehrere Anschläge auf U-Bahnen in den letzten zehn Monaten des Ausnahmezustandes.
Alle Personen die ihnen zusätzlich verdächtig vorkommen sind zu liquidieren. Es ist kein Widerstand zu erwarten. Viel Erfolg.”
Die Stimme des Kommanders verstummte abrupt.

Das Leise Surren der Turbine des Hubschraubers nahm dafür nun die Geräuschkulisse ein. Sich entspannend schloss Chris noch einmal die Augen.

“Noch 10 Minuten, bevor wir das Ziel erreichen,” gab der Ladeschütze kurz durch.

1.6.07 16:25


4.

 

Für gewöhnlich, trat nach dem Aufprall des Körpers auf dem Boden, eine friedliche, im bittersüßen Nachgeschmack des Verbrannten ruhende, Stille ein.

Schnell wendete Janson seinen Kopf nach rechts. Gelächter war aus dem Gang zu hören, was bedeutete, dass er nicht mehr allein war. War er überhaupt alleine gewesen? Hatte nicht Alex gesagt, er wäre ungestört - egal, wie als wolle er den Gedanken aus seinem Kopf schütteln, zuckte er zusammen, kniff die Augen zu und rannte nach oben.

Sein Koffer lag noch auf dem Bett, er warf die Waffe achtlos rein, schlug den Deckel zu. Ein letzter Blick - hatte er etwas vergessen? Das Fenster im Zimmer stand noch weit offen, zum Schließen hatte er keine Zeit, er durfte nicht erwischt werden, nicht jetzt - nicht heute.

Trotzdem - mit der Hastigkeit eines Zuspätgekommenen zog er die Flügel des eleganten Jugendstilfensters zu und schlug den Vorhang drüber. Keine Zeit um nach liegengebliebenen Indizien zu suchen, keine Zeit um darüber nach zu denken, ob er nicht doch - nein. Er hatte den Auftrag, wie geplant erledigt.

Er hatte sie angerufen, anonym. Wie aus billigen Krimiserien hatte er die klischeehafte Zuflucht einer Telefonzelle gesucht, hatte mit zittrigen Fingern die Nummer getippt und wie ein kleiner Junge, hatte er um eine Audienz gebeten, nach Vorwänden und Ausreden gesucht, gestottert und gebettelt, in Gedanken ihre Kehle befühlt, zugedrückt, um in dem selben Augenblick sein süßestes " Bis bald, mein Engel." zum Besten geben.

Drei Tage davor hatte er sie beobachtet, wie sie vom Alkohol besäuselt durch die Zimmer gewankt war, wie sie im Garten die Jugend der Wildrosen zum Schein ihrer Ästhetik geopfert hatte, wie sie zeitlos und seelenlos die Nächte in ihrem Schlafzimmer wachgeblieben war,

um heute, seinen Job, richtig und schnell ausführen zu können.

Er war früh aufgestanden. Es war nicht einmal sieben, da hatte er schon mit der Präzision die ihm eingetrichtet worden war, seinen Koffer gepackt, seine Krawatte gebunden und die letzte saubere Kaffeetasse im Haus gesucht. Er hatte es gehasst, den letzten kalten Schluck Kaffee. Er hatte es trotzdem zu Ende getrunken.

Auf der Fahrt zu ihrem Haus, lief im Radio ein altbekanntes Lied, aus besseren Zeiten. Er hatte mit gesungen, er hatte sich gut gefühlt. Sogar dann, als sie in mit den schreckengeweiteten Augen eines vom Aufprall eines Autos überraschten Rehs angesehen hatte, als er abdrückte, hatte er sich gut gefühlt.

Nun bahnten sich die wirren Stimmen aus dem Gang in kleinen Adrenalinstößen durch sein Blut. Sein Herz raste - er musste raus hier. Er durfte nicht entdeckt werden.

Die Stimmen kamen von rechts, er wagte einen Blick raus. Der Gang vor ihm schien leer zu sein. Langsam tastete er sich Richtung Treppe. Ihre Leiche lang immernoch jämmerlich zusammengekrümmt am Absatz, übertünchte den reichen grünen Teppich über den Marmorstufen mit dem satten, hellroten Blut ihrer minderwertigen Arterien. In den meisten Fällen reichte der eine Schuss aus, um sie zu töten.

Es war immer nur dieser eine Schuss, der sie tötete. Dieser eine Schuss, der ihn dazu zwang, sie zu töten.

Unten angelangt, genügte ein Blick um zu wissen, woher die Stimmen kamen. Ein Fernsehbildschirm aus dem großen weißen Wohnraum rechts im Erdgeschoß flackerte mit den Kerzen um die Wette, große Figuren verliefen sich auf Wänden. Er ging zum Gerät, und schaltete es ab und eine plötzliche eintretende Ruhe, erschien Janson für eine Sekunde verdächtig, dann trat die gewohnte Stille ein. Janson ließ sich auf den einladenden Sessel vor dem Bildschirm nieder, er wusste, er sollte jetzt gehen. Dieses Haus verlassen, keine weiteren Zufällen die Gelegenheit überlassen, ihn mit weiteren eiskalten Schlägen in seiner Brust zu überraschen. Aber er musste wieder zu Verstand kommen - kein leichtes Unterfangen, wenn man knapp 21 Jahre alt ist, wenn man weiß, wie man Menschen tötet, wenn man weiß, die Leichtigkeit des Todes könnte eines Tages auch ihn einholen.

Er rief Alex an, schließlich musste sie darüber informiert werden, dass er seinen Auftrag erledigt hatte.

 

****

" Ein Fernseher. "

" Ja, es lief ein Film über eine .. "

" Jans, es spielt keine Rolle, was für ein Film auf dem verdammten Kasten lief - war dieser besagte Fernseher schon eingeschlaten, als du gekommen bist ?"

" Ich weiß es nicht. Sie hat mich gleich nach oben geführt, ich wollte nicht warten."

" Das weiß ich, du kannst niemals warten .. "

" Ja."

" Hat sie mit dir gesprochen ? "

" Nein, nur das Übliche - Wetter, Alkohol, diverse Neurosen. Es ging schnell, Alex. Ich habe ihr nicht viel Zeit gelassen.

" Gut. Sehr gut. Kann ich morgen mit dir rechnen ?"

" Ja. Ich bin um spätestens 16.30 am Bahnhof. Ich habe schon reserviert."

" Hin und retour ?"

" Hin und retour, ich habe nicht vor, erwischt zu werden, wenn du das wissen möchtest."

" Nein. Ich weiß."

" Ich melde mich, wenn ich angekommen bin. "

" Das hoffe ich. Jans, ich zähle auf dich. Vermassle es nicht. Wir brauchen diesen einen Auftrag."

" Ich brauche diesen einen Auftrag. Grüß sie von mir Alex, auch wenn ... "

" Gute Nacht, Jans."

Klick.

Kaum hatte sie ihr Telefon zugeklappt, bohrten sich Lenas Blicke durch ihre Haut. Die Telefongespräche mit Janson waren notwendig, um ihn bei Laune zu halten. Es war heutzutage nicht mehr einfach, junge engagierte Mitglieder zu finden, und in Janson, war sich Alexandra sicher, hatte sie einen verlässlichen und zugleich ungeschliffenen Diamanten gefunden, den sie ungerne verlieren wollte.

" Alex, wir haben nur noch eine dreiviertel Stunde - was wolltest du mir besprechen ? " Lena ließ nervös das kleine Gläschen in ihrer Hand auf die Theke klirren. Sie hätte wissen müssen, das Lena unnötige Fragen stellen würde, aber nun gut - diese Chance ließ sich Alex nicht entgehen. Zumal Lenas Nerven angespannt waren - nicht zuletzt wegen ihrem auffälligen lächerlichen Outfit, ihren prall geschminkten Lippen, ihren dick mit schwarzer Farbe getuschten Wimpern. Zwischen der Club-Gesellschaft, einen Underground Vereinigung der Rebellen, wirkte Lena wie eine Discokugel. Alle Augen im Raum waren auf sie gerichtet, schlichen aus den Augenwinkeln mit gierigen Blicken über Lenas Dekoltee.

Alex ergriff die Gelegenheit im Mittelpunkt zu stehen - so konnte Lena ihr nicht entkommen.

" Es geht um Janson, er braucht dich. Ich brauche dich. Du weißt", Alex schluckte, die Worte hatte sie vor Tagen in Gedanken zurecht gelegt, hatte sie abgewogen und gereiht, nun schienen sie wirr und unrealistisch, und sie wusste nicht, ob sie es aussprechen durfte " du weißt, er hat es nicht so gemeint. Es ist nur - Lena, er hat viel um die Ohren. Er mag dich, er mag dich sehr - und er möchte nicht, dass seine Arbeit zwischen euch steht." Lena wischte sich langsam einen Tropfen von der Lippe. Sie lächelte. " Ich weiß, dass er mich braucht, aber du weißt, was ich darüber denke, Alex. Die Zeiten haben sich geändert - ich habe Angst. Ich habe Angst um ihn, ich habe Angst um mich. Ich kann nicht mehr mit ihm zusammen sein. Es wird uns verraten, und - vielleicht werden wir daran zu Grunde gehen."

Ihre traurigen Augen verrieten für eine Sekunde die Verzweiflung die in dieser hübschen kleinen Person steckte. Eine Verzweiflung, eine tief verwurzelte Angst vor dem Tod, vor dem nochmaligen Verlust eines Menschen, der einen Liebe in ihrem Leben, führten Lena dazu, Janson aus ihrem Herzen zu verbannen. Auch wenn der Preis zu hoch war , die Schmerzen zu unerträglich waren, so dass sie sich tagtäglich selber mit rostigen alten Messern und unschuldig glitzernden Glaskanten ihre Umrisse in die rosige Haut ritzte.

Sie erstickte die Liebe in ihrem eigenen höchstpersönlichen Leid, anstatt sie eines Tages in unzähligen Paranoia und verklebtem Blut ertränkt, wieder zu finden.

Alexandra wusste, worin sie sich wieder gefunden hatte - es war das gleiche Bild, dass sich in Lenas Augen spiegelte, als ihr der nächtes Shot die heiße Kehle runterbrannte.

Im satten Dunkelrot getränkt .. damit hatte alles angefangen. Mit Blut - der einzigen, unendlichen Liebe ihres Lebens.

 

30.5.07 02:10


3.


Die Atmosphäre des Clubs entsprach Lenas Vorstellungen.

Mattes Licht, von an der Decke befestigten Lüstern, bahnte sich mühselig seinen Weg nach unten. Das sporadische Aufflackern von im Raum verteilter Kerzen, konnte die Dunkelheit trotz aller Bemühungen nur für kurze Zeit zum Rückzug zwingen.

Vor Lenas Augen, die sich mittlerweile an das schummrige Licht gewöhnt hatten, formierte sich ein bizarres Bild. Körper, in lange schwarze Gewänder gehüllt bewegten sich wie in Trance durch die Szenerie. Lena fühlte sich in einen schlechten Vampirfilm versetzt.

Langsam und darauf bedacht, neugierige Blicke von sich abzuwenden, setze sie vorsichtig einen Fuß vor den Anderen. Geschickt wie ein Footballspieler, der den Tacklings seiner Gegenspieler beim Angriff ausweicht, schlich sie langsam durch den Club in Richtung Bar.

Wütend darüber, wie Alexandra ihr nur so ein bescheuertes Outfit hatte empfehlen können, bestellte sie sich ein Bier.

Wenigstens ließen ihre schönen langen schwarzen Haare, um die sie schon immer von allen anderen Mädchen beneidet wurde, Lena nicht ganz fehl am Platz erscheinen, wie sie resümierend beim ersten Schluck ihres Bieres zufrieden feststellte.

Die Kühle der Flüssigkeit, die sich langsam den Weg durch Lenas Körper bahnte, ließ ihren Puls etwas zur Ruhe kommen.

Wo blieb Alex nur, ging es ihr bei dem letzen Schluck und dem Bestellen eines neuen Bieres, beiläufig durch den Kopf.

***

Alexandra kannte den Weg zum Club wie ihre eigene Westentasche.

Doch seit der großen Explosion vor 3 Jahren hatte sich plötzlich alles schlagartig verändert. An jeder Ecke, standen Mannschaftswagen der Föderation. Die Soldaten warteten nur darauf wie die Helden aus ihren Actionfilmen los zu sprinten um die Menschen zu retten oder diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die die Ausgangssperre missachteten.

Die Häuser durften nach 11 Uhr nur mit einem gültigen Checkpass der Regierung verlassen werden. Aber die Sperrstunde hatte Alex noch nie davon abgehalten, zu tun was sie wollte. Und außerdem hatte sie Lena seit Tagen nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Ein selbstbewusster Blick auf die Uhr, deren Ziffernblätter bereits 11.10 erreicht hatten, mahnte sie zum Aufbruch. Sie musste los.

Voll geschminkt und perfekt gedresst machte sich Alexandra mit wachsamen Augen auf den Weg zum Club.

 

 

 

 

 

25.5.07 08:23


2.


Mit einem Flackern schalten sich die Straßenlampen an. Sie schaut hinauf zum Mond, der jetzt für gewöhnlich viel weniger Beachtung findet.

Sie überlegt, wie lange sie heute abend wohl weg bleiben würde? Sie mochte die Stimmung, wenn man morgens früh, wenn es schon hell wurde, leicht betrunken aus einem Club kam. Ihr würde wohl auch nichts anderes übrig bleiben, immerhin fuhren die Busse erst wieder ab halb 5.

Als sie in die Straße einbiegt sieht sie vor sich eine Gruppe Jugendlicher laufen. Anscheinend wollen sie auch in den Club. Lena läuft möglichst leise, um nicht die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen.

Mittlerweile kann sie schon die Musik hören, die aus dem Club nach außen dringt. Die Gruppe, die vor ihr gelaufen war, hält an und scheint irgendetwas zu beraten. Sie geht an ihnen vorbei und schaut an dem Gebäude hoch. In dieser Gegend gibt es einige Clubs, aber dieser hier muss es sein. Schwere, blau-violette Buchstaben, die das Wort „Linda“ bilden, deuten darauf hin, dass sie am richtigen Ort ist. Und nicht zuletzt die ohrenbetäubende Gothic-Musik, die Alexandra so liebt.

Der Mann an der Kasse sagt etwas, doch Lena kann ihn kaum verstehen. Sie hasst es, wenn Musik so unnötig laut ist. Schließlich hatte sie nicht vor, wie eine Wahnsinnige Brüllen zu müssen, um ein wenig Small-Talk zu betreiben.

„Wie bitte?“, sagt sie mit einem fragenden Blick. Das Lied im Hintergrund- oder besser gesagt, im Vordergrund, da es sämtliche anderen Geräusche vernichtet- hört gerade auf, als der Mann auf einen kleinen Kasten mit Personalausweisen deutet und meint: „Dein Personalausweis“.

Verdammt. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Daran hatte sie aber auch gar nicht gedacht; in die Clubs, die sie sonst besuchte, war sie immer ohne Probleme hinein gekommen.

Sie kramt den Perso aus ihrem Portemonnaie und legte ihn auf den Tisch. Sie weiß nicht, ob dieser Club hier allgemein ab 18 ist oder ob sie zu einer bestimmten Uhrzeit rausgeschmissen werden würde. Wenn ersteres der Fall war, dann würde Alexandra morgen ordentlich was von ihr zu hören bekommen.

Aber Alexandra hat Glück – halbwegs zumindest. „Bis halb 1“, sagt der Mann. Lena bezahlt und fragt sich, ob sich drei Euro für eine mickrige Stunde lohnen würden – wahrscheinlich nicht.

 

18.5.07 15:55


Geschichte?!

 

 1.

Schnell zieht die in Dunkeleheit gefasste Landschaft an Lenas Augen vorüber. Im Glas des Busfensters spiegeln sich bunte Häuserzeilen, die eine Palette aus bunten grellen Farben dem Betrachter darbietet und sogleich auch wieder verschwinden.

Faszinierd blickt Lena hinaus auf die belebte Straße mit all den Menschen, die sich an diesem Abend in der Stadt vergnügen wollen. Gedämpftes dringen all die neuen Geräusche durch das Fenster hindurch zu ihrem Ohr. Gelächter, Gesprächsfetzen der gewöhnliche Lärm einer abendlichen Hauptverkehrsstraße. Unmerklich biegt der Bus von der Hauptverkehrsstraße ab hinein in eine weitere Straße die wieder hinaus aus der Stadt führt. Von Faszination gebannt vergisst sie es fast an ihrer Haltestelle auszusteigen. Doch knapp gelingt es ihr doch noch durch die sich schon schließende Bustür zu schlüpfen, wobei sich kurzzeitig der Saum ihres aus grüner Spitze bestehenden Rocks im Spalt der Tür einklemmt. Mit einem leichten Ruck bekommt sie ihn noch rechtzzeitig frei, bevor der Bus davon rumpelt.

Feiner Regen setzt ein der sie dazu zwingt, sich kurzzeitig unter zu stellen. In der Ferne ist leise das Rauschen des Meers zu hören. Fast könnte man sich vorstellen wie Welle auf Welle gegen die Klippen brandet.

Sanft legt sich der silberne Schein des steigenden Vollmonds auf die Landschaft. Fröhlich lächelnd schaut sie in ihr eigenes Spiegelbild, das sich grün bemalt in den Scheiben der Bushaltestelle spiegelt. Eingerahmt von ihren mit grünen Stoffstreifen durchwirktem Haar, sieht sie in das Gesicht einer angehende Fee. Einzig die Spitzen Ohren fehlen. Zusammen mit ihrem eleganten Korsett dessen roter erdbeerfarbener Stoff nur durch spitz zulaufende Bordüren, kleine zierliche Schleifen, sowie die an der Vorder- und Rückseite angebrachte breite Schnürung aus grüner Seide abgegrenzt wird. Umgreift der Saum der Körpchen aus gerafter Seide glatt ihre Brüste wie zwei große Salatblätter. Körperbetont umschmiegt das Korsett perfekt ihren Oberkörper, ein Blickfang für jeden Betrachter. Mit den drei untereinander gefächerten spitze zu laufen Schmetterlingesflügeln auf dem Rücken, deren Stoff zusammen mit dem Licht des Mondes silbrig grün glänzen könnte man fast glaube das sie echt seien.

Ein sinnliches Lächeln huscht über ihre bunt geschminkten Lippen.

Der Regen hat nachgelassen, so das sich auf den Weg zu ihrem eigentlichen Ziel machen kann. Erfüllt von der neuen Umgebung, atmet sie tief die frische Luft ein, die der kurze Regenschauer gebracht hat. Der Asphalt der Straße glänzt ein wenig von dem feinen Film aus Regenwasser. Aus Spaß rutscht Lena, soweit es überhaupt geht mit den glatten Sohlen ihrer Convers über die Straße. Ab und zu verhackt sich die Spitze ihres langen Rocks unter den Schuhen, so das sie stolpert. Voller fast kindlicher Freude bemerkt sie überhaupt nicht in welche Richtung sie sich in den letzten Minuten bewegt hat.

Bis sie sich vorsichtshalber um nicht weiterhin stolpern zu müssen kniend ihre Schuhe zubindet. Mit einem Seitenblick erkennt sie ein Symbol das den meisten Bürgern in dieser Zeit viel zu oft im alltäglichen Leben begegnet. Eine Barriere aus Stacheldraht und Sandsäcken ist gerade mal einige Meter entfernt von ihr auf der Straße aufgetürmt. Direkt neben ihrem Schuh, den sie sich soeben zugebunden hat, ragt der Pfahl eines Schildes auf das deutlich macht sich nicht weiter dieser Zone zu nähern. Hinter den Barrieren aus Sandsäcken, sind deutlich die in ihre Richtung und in Anschlag gebrachte Läufe zweier Maschinengewehre zu erkennen. Leicht verdeckt dahinter die grauen Stahlhelme der Soldaten die in der heutigen Zeit überall zugegen sind.

Lena fröstelt es, mit einem Blick auf die Uhr vergewissert sie sich das es bis zur Sperrstunde noch lange hin ist.

Zielstrebig nimmt sie ihren Weg wieder auf und erinnert sich an die Erläuterungen Alexandras wie sie zu dem Club gelangen kann.”Nach der dritten Straße kurz vor der Straßensperre links abbiegen...”

 

16.5.07 20:08


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